2013 Shantiniketan

2013 Shantiniketan

Für 19 Tage, vom 25. November bis 13. Dezember 2013, war eine Gruppe aus 12 Schülern und Lehrern der Tagore-Schule in Begleitung unseres Vereinsmitglieds Sebastian Keller nach Indien gereist, um dort ihre Partnerschule in Shantiniketan im Bundesstaat West-Bengal zu besuchen. Es folgt ein kurzer Auszug aus einem Bericht von einer der teilnehmenden Tagore-Schülerinnen:

Indische Schülerinnen versuchen sich an der deutschen Tradition des Sackhüpfen

Die Visva Bharati Universität und die Patha Bhavana Schule sind Werke, die Tagore selbst schuf und diese beiden leben auch nach der Philosophie Tagores. So ist es ganz normal, dass der Unterricht unter dem freien Himmel stattfindet. Was mir persönlich sehr gefiel und authentisch wirkte und uns Tagores Lebensweise näher brachte. Neben der Patha Bhavana haben wir auch zahlreiche Dörfer kennengelernt wie zum Beispiel die Santal Dörfer.

Doch die meiste Zeit waren wir mit unseren Projekten und den Schülern in der Schule beschäftigt. Jeden Morgen haben wir uns darauf gefreut wieder in die Schule zu gehen und unsere Freunde zu sehen. So rückte Tag für Tag der Abschied immer näher. Nach 10 wundervollen, erlebnisreichen und lustigen Tagen mussten wir die Schule und Shantiniketan verlassen und uns mit dem Zug Richtung Kolkata bewegen. Am Abreise Tag realisierte ich wie sehr mir die Mädchen und Jungs ans Herz gewachsen sind und ich alle vermissen werde.

2010 Chaibasa

2010 Chaibasa

Im Oktober 2010 begab sich eine Gruppe aus 11 Reisenden nach Nordindien, einige davon speziell um die Kinder aus dem Stipendienprogramm zu besuchen. Renate Kümmel hat dazu einen Bericht geschrieben, welcher im Folgenden in Auszügen wiedergegeben werden soll:

Gemeinsam Gemüse schnippeln

Wir werden auf dem Campus sehr herzlich mit kleinen Blumensträußen begrüßt. Nach einem kleinen Imbiss bummeln wir noch durch die Stadt und besorgen noch ein paar Bälle und Spiele für unseren morgigen Ausflug mit den Kindern. Unser „halber Inder“ Basti ist am nächsten Tag früh los, um die Patenkinder aus der Umgebung einzusammeln.

Es hat alles geklappt, die Kinder sind da. Ich lerne jetzt auch mein Patenkind Hemlata kennen. Ein Hauch von einem Mädchen, so zart – aber sicher auch zäh – mit ernstem und traurigem Blick. Die Kinder (insgesamt 38) werden mit dem Jeep und die benötigten Gegenstände mit dem LKW zum Picknickplatz gebracht. Wir sind die Letzten die ankommen, es wird schon fleißig gearbeitet … Gemüse geputzt, Kartoffeln geschält usw. Ich setze mich dazu und helfe mit, andere spielen mit den Kindern Fußball, Federball u.Ä.

Die Kochstellen werden errichtet. Wir staunen nicht schlecht, wie mit primitivsten Mitteln das alles klappt und am Ende ein sehr leckeres Mahl dabei heraus kommt. Wir essen gemeinsam mit den Kindern und sind erstaunt über die riesigen Portionen, die dabei verdrückt werden, egal ob Mädchen oder Jungen. Wer weiß wann sie sich das nächste Mal so richtig satt essen können?! Nach dem Essen haben wir noch ein paar Süßigkeiten verteilt. Die Kinder standen mit großen Augen vor uns und haben sich sehr über so kleine Dinge, wie Bleistifte, Radiergummi und Bonbons gefreut.

Allerdings blieb das Papier liegen, was uns natürlich nicht gefiel. Also haben wir die Kinder spielerisch motiviert, all das herumliegende Papier wieder einzusammeln. Die Kinder hatten richtig Spaß daran alles in unsere extra dafür vorgesehene Mülltüte zu werfen, was sie finden konnten. Der Tag ist rasend schnell vergangen und es ging ans Aufräumen. Die Reste der Speisen bekommen die inzwischen zahlreich erschienenen herrenlosen Hunde. Alles andere wird auf den LKW geladen, nur der Müllsack passt nicht mehr auf den Wagen und wird ins Gebüsch geschmissen!!!
Es war für alle ein sehr schöner, erlebnisreicher Tag, mit vielen strahlenden Kinderaugen, sogar Hemlata hat manchmal gestrahlt!

Den vollständigen Reisebericht mit zusätzlichen Bildern können Sie hier herunterladen: Reisebericht Stipendienprogrammreise 2010 (PDF)

2009 West Bengal und Jharkhand

2009 West Bengal und Jharkhand

Vom 21. Oktober bis 8. November 2009 reiste eine kleine Delegation aus Schülern und Lehrern der Tagore-Schule Berlin-Marzahn zusammen mit der Vorstandsvorsitzenden des Indischen Forums, Heike Haupt, zu diversen Orten in Jharkhand und West Bengal. Ihre Führer in Indien waren Alexander Nitschke, Sebastian Keller und Mukut Bodra. Im Folgenden einige Auszüge aus einem Schülerbericht in der Schülerzeitung der Tagore-Schule, den Aufenthalt in Chaibasa betreffend:

Mädchen und Jungen beim Malwettbewerb
[…] Am nächsten Morgen wurden wir mit einem offiziellen Empfang von fast 3000 Schülern willkommen geheißen. Es war ein umwerfender und ergreifender Moment, als uns so viele Gesichter anlächelten und jubelten als wir uns vorstellten, wir waren sogar so *berühmt*, dass wir fleißig Autogramme in die Schulhefte der indischen Schüler schrieben. Noch am selben Nachmittag unternahmen wir gemeinsam mit den circa 100 Schülern unserer Partnerschule einen Fahrradausflug zum nicht mal 5 km entfernten See Lupu Gutu. […] Es war ein sehr schöner Ausflug, da man sich auch mit den jüngeren Schülern während der Tour gut auf Englisch unterhalten konnte und vieles von der Landschaft um Chaibasa kennen lernte.

Schön war, dass wir am nächsten Tag die Möglichkeit hatten, die Klassen der Primary-, Middle-, High-School zu besuchen. Die Kleinen in der Primary School waren sehr wissbegierig und hatten so viele Fragen. Sie interessierten sich für unser Leben in Berlin, unseren Schulalltag und unsere Hautfarbe. Aber auch die Lehrer wollten von uns wissen, wie der Unterricht an unserer Schule abgehalten wird und wie wir ihre Unterrichtsweise beurteilen würden. […]

Wir organisierten für die Schüler unserer Partnerschule einen Malwettbewerb und eine Sportolympiade. Je drei Schüler pro Klasse nahmen an den Wettbewerben teil. Große Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung erhielten wir von einigen ehemaligen Schülern unserer Partnerschule. […] Mit Wasserfarben, Wachs- und Buntstiften stürzten sich die Kinder mit Freude beim Malwettbewerb an die Arbeit. Eine gewisse Anleitung brauchten sie vor allem beim Umgang mit den Wasserfarben, da die Kinder, wie wir erfuhren, auch keinen Kunst- oder Musikunterricht haben. Dennoch entstanden wundervolle Bilder zu den Themen: „Freunde und Familie“, „das Leben in meinem Dorf“ und „meine Zukunftsträume“. […]

So ging eine Woche Chaibasa zu Ende – viel zu schnell hieß es Abschied nehmen und uns von unseren neu gewonnen Freunden trennen. Wir werden die Abende vermissen an denen wir häufig bis in die Nacht hinein noch lange mit ihnen geredet und gelacht haben. Und natürlich werden uns die Kinder fehlen, die mit ihrem Lachen und ihrem Elan uns jeden Tag aufs Neue angesteckt haben. Unvergessen wird auch das Treffen mit unseren Patenkindern bleiben.

2008 Jharkhand

2008 Jharkhand

Im März 2008 nahmen einige Sponsoren aus dem Stipendienprogramm die Hochzeit unseres Vorstandsmitglieds Alexander zum Anlass, die Kinder des Programms im Rahmen einer Reise nach Jharkhand zu besuchen.

Hier ein paar Eindrücke aus dem Reisebericht von Anke Keller:

Anke mit dem von ihr geförderten Kind

Auf dem Weg nach Chaibasa gibt es wunderschöne Naturlandschaft zu bestaunen. Die Straßen sind teilweise sehr schlecht und wir werden ganz schön durchgeschüttelt bis wir unseren Campus in Chaibasa erreichen.
Von Angestellten des Campus werden wir sehr herzlich begrüßt. Es gibt Tee und einen kleinen Imbiss. Die Empfangszeremonie hat uns total berührt. Viele Frauen und Kinder kamen, um uns zu begrüßen. Wir sind jetzt hier in Chaibasa, an dem Ort, von dem wir schon so viel gehört haben. Nie im Leben konnten wir uns vorstellen, jemals an diesen Ort zu kommen. Und genau jetzt ist es passiert, wir haben schon das Zusammentreffen mit unseren Stipendiaten im Kopf. Alles hier erinnert uns ein bisschen an ein Ferienlager aus unseren Kindertagen. Ein riesiges Gelände, rings herum kleine Hütten und in der Mitte ein großer Platz auf dem die Jungen gerade Kricket spielen. Die Anlage liegt ein bisschen abseits von der Straße. Hier fehlt sogar der typische Indienkrach.

Die Stipendiaten sind gerade eingetroffen und haben sich auf dem Hof versammelt. Wir sind zu ihnen raus gegangen und haben, nach dem die erste Scheu überwunden war, alle sehr herzlich begrüßt. Da es auf dem Hof doch sehr heiß ist, gehen wir ins Haus, wo wir schon ein paar Leckereien für die Kinder vorbereitet haben. Wir fangen an uns vorzustellen. Damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben, haben die Kinder sich ebenfalls vorgestellt und über ihre Lieblingsfächer in der Schule erzählt. Unsere extra für sie hingestellten Süßigkeiten rühren sie gar nicht an. Die Kinder sind wirklich sehr zurückhaltend und schüchtern. Basti hat sie dann aufgefordert, sich doch mal etwas von den Tellern zu nehmen. Erst dann haben sie zugegriffen. Wir hatten dann noch die Möglichkeit uns mit den Kindern individuell zu unterhalten. Unseren Übersetzer hatten wir ja dabei.

Am Ende nutzen wir noch die Zeit, ein paar Bilder mit den Kindern zu machen. Wir hätten uns nie träumen lassen, dass wir einmal unsere Stipendiaten in den Armen halten würden. Einfach wunderbar. Die Zeit ist rasend schnell vergangen und es ist Zeit für die Kinder, ihren doch recht weiten Heimweg anzutreten. Wir müssen uns verabschieden und wir können die Tränen kaum zurückhalten. Ein sehr bewegendes Gefühl.

Erwähnenswert scheint uns noch, dass die von Indienreisenden oft beklagte aufdringliche Bettelei uns nur bei den Touristen-Attraktionen begegnet ist, in den kleinen Dörfern wurde nie gebettelt. Wir haben viel gesehen und noch mehr nicht. Dafür haben wir viel vom „normalen“ Indien erlebt: Leben auf dem Lande, kleine Städte und beeindruckende Landschaften. Indien ist ein faszinierendes Land. Es war gut, hier zu sein. Und vielleicht war es nicht das letzte Mal, denn noch haben wir lange nicht alle Facetten erlebt.

2006 Chaibasa

2006 Chaibasa

Auch im Herbst des Jahres 2006 fand wieder eine Schülerreise nach Chaibasa statt. Es sei darauf hingewiesen, dass die Reise durch ASA EPJA und das BMZ finanziell und organisatorisch unterstützt wurde, wofür wir, das Indische Forum „Mahatma Gandhi“, uns hiermit nochmals herzlich bedanken möchten.

Im Folgenden nun ein kleiner Erfahrungsbericht von Linda Hübner:

Im Herbst 2006 ging es für uns fünf Schüler und zwei Lehrer der Mahatma-Ganhdi-OS auf große Indienreise. In den knapp drei Wochen bereisten wir die Städte Delhi und Varanasi und besuchten unsere Partnerschule in Chaibasa.

Schon bei unserer Ankunft in der Millionenmetropole Delhi bekamen wir ein Gefühl dafür, was indisches Lebensgefühl bedeutet. Alles war neu für uns im hektischen und lauten Delhi. Unbekanntes Essen, aufregende Rikscha-Fahrten, Sightseeing in Old Delhi und ständiger Trubel.

Die deutschen Schüler singen gemeinsam beim
Deutsch-Indischen Kulturprogramm

Bei der folgenden 30-stündigen Zugfahrt Richtung Chaibasa hatten wir dann genug Zeit die ersten Eindrücke zu verarbeiten. Doch auch als wir nach dieser langen und anstrengenden Reise in Chaibasa ankamen, gab es keine Zeit sich auszuruhen. Die Kirchengemeinde feierte gerade ein Fest, zu dem wir spontan eingeladen wurden.

In den folgenden Tagen erkundeten wir die Stadt und besuchten die verschieden Schulen des Lutheran Compounds. Überall wurden wir sehr herzlich empfangen und die Schüler löcherten uns mit Fragen über Deutschland.

Ein Highlight bildete unsere Fahrradtour in ein Adivasi-Dorf, in dem wir Einblicke in die uns bis dahin völlig unbekannte Kultur der Ureinwohner Indiens gewinnen konnten.
Während unsere mitreisende Kunstlehrerin Frau Seifert mit den indischen Kindern einen Mal-Workshop veranstaltete, recherchierten und arbeiteten wir vor Ort an unseren Projekten („Frauen in Indien“, „Wasser und Umwelt in Indien“ und „Religionen in Indien“) im Rahmen des finanziellen Förderprogramms.

Jeden Tag wurden wir von unseren Gastgebern stets mit typisch indischen Gerichten verwöhnt und die Abende verbrachten wir damit, unsere Darbietungen für das Indisch-deutsche Kulturprogramm einzustudieren, welches den krönenden Abschluss unseres Besuchs darstellen sollte.
Den Schluss unserer Indienreise bildete der Aufenthalt in Varanasi. Bei Sonnenaufgang zeigte sich die heilige Stadt am Ganges von ihrer schönsten Seite, sodass es uns allen sehr schwer fiel, die Heimreise anzutreten.

2005 Chaibasa (Herbst)

Im Herbst 2005 besuchte erneut eine Gruppe von Schülern der Mahatma-Gandhi-OS die Partner in Chaibasa. Dabei traten auch die Vorbereitungen für den 1. Jahrgang des Stipendienprogramms in die heiße Phase ein.

Einige Eindrücke von dieser Reise schildert der folgende Text von Heike Haupt:

Vor dem Unterricht wird gebetet

Nach einer kurzen Stadtbesichtigung in Delhi fuhren wir mit dem Zug nach Ranchi, von wo es via Straße weiter ging nach Chaibasa. Wir kamen mitten in der Nacht an und mussten erst einmal feststellen, dass wir verwöhnte Berliner es hier mit einer neuen Qualität von Dunkelheit zu tun hatten. Wenn man die Hand vor Augen sehen konnte, hatte man Glück. Jedoch wurde uns sofort mit Kerzen zu Hilfe geeilt.

Am nächsten Tag folgte die offizielle Begrüßung durch die Schulen des Lutheran Compound. Mit Gesang und Tanz wurden wir zu dem aufgebauten Festzelt begleitet, wo wir nach kurzer Vorstellungsrunde die Gastgeschenke übergaben. Anschließend erhielten wir einen ersten Einblick in die indische Kultur, da uns die Schüler mit ihren kreativen Darbietungen den Tag versüßten. Plötzlich wurden wir aufgefordert, selbst aktiv zu werden. Nach einigen hilfesuchenden Blicken und geflüsterten Absprachen erheiterten wir die Inder schließlich durch ein paar deutsche Lieder.

Im Verlaufe unseres Aufenthaltes wurden wir von allen Schulen einmal eingeladen und besuchten viele Kirchengemeinden in Chaibasa und Umgebung. Außerdem halfen wir bei der Urbarmachung eines Ackers auf dem Schul- bzw. Kirchengelände, der für den praktischen Biologieunterricht genutzt werden sollte. Auch übergaben wir bemalte T-Shirts von unseren deutschen Schülern und animierten die indischen Schüler auf mitgebrachten Shirts ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, so dass auch Schülern die nicht mit nach Indien fahren konnten ein Stück Indien mitgebracht werden konnte. Zudem erklärten wir den Indern mit Hilfe unserer indischen Freunde auch den Gebrauch von den von uns mitgebrachten Mikroskopen.

Aber wir hielten uns nicht nur bei den Schulen und Kirchen auf, sondern erkundeten auch die bewaldete Hügellandschaft Jharkhands und die lebhaften Märkte der Städte. Abgerundet wurde der Besuch durch ein von uns initiiertes Deutsch-Indisches Kulturprogramm.

2003 Chaibasa

2003 Chaibasa

Anfang November 2003 besuchten Herr Buntrock, Frau Küstermann und vier ehemalige Schüler wieder Chaibasa. Unter ihnen auch erneut Alexander Nitschke, aus dessen Reiseberichten exemplarisch einige kleine Auszüge folgen:

Unterricht für die Kleinen im Freien

Die ganze Schule und alle Bewohner des Kirchengeländes waren auf den Beinen, um uns zu sehen. Als einfache nullachtfünfzehn-Menschen aus Deutschland fühlten wir uns bei all dem Rummel schon sehr geehrt und geschmeichelt. Das Beste dabei war jedoch die ehrliche Freude sowie die Neugierde, die in den unzähligen Gesichtern der Kinder zu beobachten war. Da vier von uns schon im Jahr zuvor in Chaibasa zu Besuch gewesen waren, gab es natürlich auch das Treffen mit den Freunden aus dem Vorjahr. Uns beeindruckten besonders die enormen Fortschritte, die Einzelne in ihrem Englisch gemacht hatten. Wesentliche Motivation war dabei hauptsächlich der persönliche Kontakt, der sich mit dem Besuch im Jahr zuvor ergeben hatte. Insofern sind Erfolge von Partnerschaften wahrscheinlich besonders im Kleinen und oft persönlichen Rahmen zu entdecken.

Wir besuchten wieder die Klassen in den vier verschiedenen Schulen, die sich auf dem Kirchengelände Chaibasas befinden. Die Kleinen schienen sehr interessiert an uns Weißen und stellten viele Fragen, z.B. was wir bei uns in Deutschland so essen würden und wie wir Weihnachten feiern. Untergebracht waren wir in einem Teil des alten Missionarshauses aus dem späten neunzehnten Jahrhundert. In diesem „Gästehaus“ waren wir unter uns, wobei zu allen Mahlzeiten von verschiedenen Frauen für uns gekocht wurde. […]

Einige Ausflüge machten wir von Chaibasa aus, besuchten andere Schulen, andere Kirchengemeinden und genossen bei allen kleinen Touren die wunderbare, irgendwie romantische Natur mit ihren Feldern und Hügeln. Die Qualität der Straßen ist absolut nicht mit dem europäischen Standard zu vergleichen. So finden sich hier alle paar Meter Schlagloch neben Schlagloch.

Unterricht für die Kleinen im Freien

In Chaibasa selbst begutachteten wir die Arbeit an den Computern, die im letzten Jahr durch unsere Gruppe hier installiert wurden. Mittlerweile lernen viele kleine Schüler an den PCs. Dabei muss zuerst viel Theorie gepaukt werden, doch wie überall auf der Welt sind es die Jüngeren, die schnell lernen besonders wenn es um Technik geht. Zwei der acht Computer brachten wir nach Kunthi, einem Ort etwa 50 Kilometer von Chaibasa entfernt. Auch hier sollten die interessierten Schüler die Möglichkeit bekommen, den Umgang mit Computertechnik zu erlernen. Als wir den neuen kleinen PC-Raum einweihten, strahlten uns auch hier viele kleine Gesichter mit viel Neugier entgegen. Um die Computerarbeit in Chaibasa zu sichern, betreut in unserem Auftrag seit dem letzten Jahr ein junger Mann namens Pawan Toppno, ein Sachkundiger auf dem Gebiet, das ganze Projekt vor Ort. Seit einiger Zeit wird auf dem Gelände der Bau für das neue Schulgebäude vorangetrieben, jedoch verläuft dies sehr schleppend, da wie überall auch hier das Geld fehlt. Dass dieser Bau besonders nötig ist, wurde uns schon voriges Jahr bewusst als wir die überfüllten Klassenräume in dem einsturzgefährdeten alten Bau besuchten. Unvergessliche Stunden hatten wir mit den Schulkindern auf dem Gelände, unter anderem wenn wir gemeinsam auf dem Feld Fußball oder Cricket spielten oder einfach nur rumalberten, ohne die Sprache des jeweils anderen auch nur annähernd zu verstehen.

2003 Delhi

Schon kurze Zeit vor der Ankunft der Chaibasa-Gruppe, besuchte eine aus fünf Schülerinnen und einem Lehrer der Gandhi-Schule in Marzahn bestehenden Gruppe die Springdales-Schule in Delhi. Begleitet und betreut wurden sie während dieser Zeit von Alexander Nitschke und Sebastian Keller, welche bereits in Indien weilten und auch danach dort verblieben, um die oben erwähnte nächste Gruppe in Empfang zu nehmen.

2002 Chaibasa

2002 Chaibasa
Lehrer Andreas an der Tafel

Im Herbst 2002 fand die erste Schülerreise nach Chaibasa statt, organisiert vom Ökumenischen Forum Berlin Marzahn und finanziell unterstützt vom Evangelischen Entwicklungsdienst und der Stiftung Nord-Süd-Brücken. Die auf jener gesammelten Erfahrungen führten schließlich zur Gründung des Indischen Forums. Es folgt ein kleiner Erfahrungsbericht von Roman Bansen:

Nach reichlich anstrengender Anreise starteten wir unsere Tour in der ehemaligen Hauptstadt der Britischen Kronkolonie Indien und Millionenmetropole Kolkata (ehemals Kalkutta). Hier wurden wir denn auch sogleich Zeuge von den krassen Widersprüchen und Gegensätzen dieser Stadt, die zum einen alle vier Nobelpreisträger Indiens hervorgebracht hat und der noch immer der viktorianische Glanz der britischen Herrschaft anhängt, die zum anderen aber an allen Ecken und Enden überfüllt ist mit Müll, Schmutz und purer Armut. So konnten wir aus unserer Herberge aus dem dritten Stock beobachten, wie in der Gasse unter uns eine Familie mit mehreren Kindern unter ein paar Brettern dahinvegetierte und sich mit Essensresten und schmutzigen Wasser versorgten.

Mitmachen bei der Reisernte

Nach einigen Tagen reisten wir weiter nach Chaibasa, wo uns am nächsten Tag von mehreren hundert begeisterten, fröhlichen Menschen ein überwältigender Empfang bereitet wurde. Scheinbar endloser Tanz und Gesang nur allein aus Freude über unser Kommen rührte uns beinahe zu Tränen.
Nachdem wir uns im Gästehaus, dem ältesten Gebäude auf dem Compound, erbaut von den ersten deutschen Missionaren Mitte des 19. Jahrhunderts, eingelebt hatten und das allgemeine Interesse an uns zumindest ein klein wenig abgeflaut war, machten wir uns an unser Programm, welches unter Anderem Besuche in diversen Kirchengemeinden vorsah, die teils angenehm abgeschieden weit in den Bergen lagen, von wo aus man einen wundervollen Sonnenunter- und aufgang genießen konnte.

Der neue Computerraum

Des Weiteren hatten wir zwei Computer mitgebracht und erwarben fünf weitere vor Ort bzw. auf einer Fahrt nach Ranchi, die wir im Laufe der Tage dann in dem eigens dafür hergerichteten Computerraum installierten und erste Einweisungen gaben.

Diverse Male statteten wir den einzelnen Klassen und Schulen auf dem Compound Besuche ab und sprachen mit den Schülern. Auch bei der Reisernte zu helfen, zumindest mal „reinzuschnuppern“, stand mit auf dem Programm, ebenso wie die Teilnahme an den Gottesdiensten in der Kirche, welche sich auf dem School Compound befindet.

Nach dem Verlassen Chaibasas und damit auch unserer dort neu hinzugewonnen Freunde führte uns die Reise zunächst nach Khunti und dann weiter nach Ranchi, wo wir nochmals einige Tage im Human Resource Development Centre (HRDC) verbrachten. Schließlich flogen wir weiter nach Delhi, um nach einem weiteren Tag Stadtbesichtigung schlussendlich die Heimreise nach Deutschland anzutreten.16